Gaetano Donizetti
LA FAVORITE - Léonor de Guzman
München / Philharmonie im Gasteig / 11. April 1999

© Süddeutsche Zeitung, 13. April 1999, Seite 20, Christine Lemke-Matwey

... Einzig Vesselina Kasarovas Léonor, ein Stimmgeschöpf zwischen keuschem Liebreiz und verwegener Leidenschaft, hielt wirklich, was der Abend versprach: dass das Timbre, die Farben, die Ensemblequalitäten einer Sängerin schon die Welt bedeuten können; und dass Belcanto selbst für aufgeklärte Geister ein erquickliches Ereignis ist.

© Münchner Abendzeitung, 13. April 1999, Seite 6, Volker Boser

... Das Stück bietet Prachtrollen, bei deren Besetzung man diesmal ein besonders glückliches Händchen hatte. Vesselina Kasarova (Léonor), Ramón Vargas (Fernand), Anthony Michaels-Moore (Alphonse), Carlo Colombara (Balthazar) und Abbie Furmansky (Inès) - besser geht's kaum. Jeder engagierte sich mächtig. ...

© orpheus, Juni 1999, Seite 43, Matthias Exner

Wie verwandelt klangen Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks 14 Tage später unter Marcello Viotti in einer konzertanten, französischsprachigen Aufführung von Donizettis La Favorite, in der Vesselina Kasarova als Léonor de Guzman triumphierte. Von der Mühelosigkeit in der Bewältigung der aberwitzig weiten Tessitur wie der Koloraturen soll nicht weiter die Rede sein. Allein der raffinierte Umgang mit den vielfältigen Farben, die von der abgrundtiefen Trauer in der dunkel gefärbten tiefen Lage über die bewegende Melancholie der pianissimi in der Mittellage zur hellen, leidenschaftlichen Emphase der Spitzentöne im Duett mit Fernand reichen, würde diesem Rollendebut schon den Rang des Ausserordentlichen sichern. Wie sich die Kasarova im Finale des 2. Aktes aus der verinnerlichten pp-Kantilene heraus zu stolz auftrumpfender Wallung aufschwingt und bruchlos wieder zurückfindet in die Zartheit des inneren Konfliktes war ebenso begeisternd wie der Wechsel zwischen der Innigkeit der Arie im 3. Akt und dem dramatischen Furor der Stretta. ... Der angekündigten CD-Produktion des Live-Mitschnittes darf der Belcanto-Fan mit Spannung und Freude entgegensehen.

© Opernglas, Juni 1999, Seite 44, W. Kutzschbach

... Auch wenn sich das Interesse meist auf die Tenorrolle konzentriert, Vesselina Kasarova gab der Léonor de Guzman die Priorität der Titelrolle wieder. Sie ist neben Cecilia Bartoli und Jennifer Larmore zweifellos die kompletteste Sängerin. Ihr schlank geführter Mezzo weist in keiner Lage einen Schwachpunkt auf, die Tiefen kommen kräftig und markant, die Mittellage ist zu verschiedenen Farbschattierungen fähig, und bis in die Spitzentöne zeigt sie Flexibilität und Agilität. Auch über die schwierigen Koloraturpassagen schwindelt sie sich nicht hinweg, sondern zeigt mit ihrer Rossini Erfahrung, wie man auch kleinste Notenwerte hörbar machen kann. Ihre voll in die Rolle aufgehende Mimik und ihr körperlicher Einsatz signalisieren aber, dass sie lieber auf der Bühne als auf dem Konzertpodium singt. ...


Gaetano Donizetti
LA FAVORITE - Léonor de Guzman
Zürich / Opernhaus / März 2006

© Tages-Anzeiger, 21. März 2006, Seite 49, Susanne Kübler

Starke Frau, schwache Männer

Es ist dieser musikalischen Inspiriertheit zu verdanken, dass die Sängerinnen und Sänger zwar nicht zu lebendigen Figuren werden - das liegt in diesem Stück nicht drin -, aber immerhin zu «Emotionsträgern» (Sireuil). Allen voran die grossartige Vesselina Kasarova alsLéonor, die von allen Seiten bedrängt und unterdrückt wird, sich aber stimmlich keineswegs unterkriegen lässt. Stark und expressiv ist ihr Mezzosopran, metallisch, wenn sie es will, oder auch ganz zart. Nichts Mädchenhaftes liegt in dieser Figur (für das Helle, Leichtherzige ist Jaël Azzaretti als Dienerin zuständig); Kasarova zeigt eine Frau, die weiss, warum sie leidet. Eine kluge, intensive Darstellung, die ohne grosse Gesten auskommt; das Drama spielt sich in Tönen ab, und im Gegensatz zur Handlung, die es auslöst, berührt es. ...

© Zürichsee-Zeitung, 21. März 2006, Seite 23, Werner Pfister

Kasarova at her best

Die Sängerbesetzung war nur in einem einzigen Fall ideal: Vesselina Kasarovas Rollendebüt als Léonor. Unglaublich die stimmliche Eloquenz, mit der sie die Gemütsverfassungen dieser Figur in immer wieder neue Farben und Schattierungen tauchte. Jeder Ton wurde mit subtiler Sorgfalt gesetzt, jede Phrase auf ihren Sinnzusammenhang ausgehorcht. ...

© Aargauer Zeitung, 21. März 2006, Seite 35, Christian Berzins

Aldi-Fahrer und Preisvergleicher aufgepasst: Die neuste Zürcher Opernproduktion ist ein Fest für Sparer, denn zu sehen gibt es kaum etwas, dafür umso mehr zu hören: Kaufen Sie sich also ungeniert einen Hör- oder Säulenplatz für 29 Franken (der Parkettplatz kostet 230) und erleben Sie dennoch zwei Opernwunder: die Mezzosopranistin Vesselina Kasarova und den Dirigenten Mark Minkowski. ... Aber leider kann aus dem Sängerensemble nur eine Minkowskis Ideen aufnehmen und stimmlich umsetzen: Vesselina Kasarova in der Titelrolle. Keine Phrase, die in Kasarovas sprechendem Gesang nicht sprachlich wohl ausgestaltet daherkommt und doch voller Emotionen ist! ...

© Neue Zürcher Zeitung, 21. März 2006, Seite 44, Marianne Zelger-Vogt

Brillante Protagonistin

... So steht denn Vesselina Kasarovas Léonor zunehmend isoliert in einem Geschehen, das sich eigentlich in einer klassischen Dreieckskonstellation entwickeln müsste. Aber was sie stimmlich und darstellerisch leistet, reicht aus, die Aufführung über alle Längen und szenischen Peinlichkeiten hinwegzutragen. Da ist die dunkle, geheimnissvolle Tiefe, welche die tragischen Züge der in ihrer Hoffnung auf die Hand des Königs Getäuschten offenbart. Die Höhe dagegen erstrahlt in verführerischem Glanz und üppiger Fülle. Und dazwischen gibt es all die subtilen Zwischentöne, Farbschattierungen und zart schwebenden Piani, welche für den schillernden Charakter der edlen Mätresse wie für die immer neu faszinierende Kunst dieser Sängerin stehen. - Von allen Argumenten zugunsten einer Wiederaufführung von Donizettis «Favorite» hat letztlich nur eines Bestand, dieses jedoch unanfechtbar: Vesselina Kasarova.

© Die Südostschweiz, 23. März 2006, Seite 19, Reinmar Wagner

Dank Vesselina Kasarova und Mark Minkowski ist Donizettis selten aufgeführte Oper «La Favorite» derzeit in Zürich adäquat in der französischen Originalfassung zu hören.

Bravouröse Kasarova

... Vesselina Kasarova gestaltete die Titelrolle in der Zürcher Opernhaus-Vorstellung am Dienstag mit Bravour: Sensibel und wach sang sie, stets bedacht auf die Steigerung des Ausdrucks, was ihr mit ihrer reichen Klangfarbenpalette und den elektrisierenden Registerwechseln hervorragend gelang.

© Süddeutsche Zeitung, 21. März 2006, Seite 15, Helmut Mauró

... Diese Szene, wie auch viele andere, hätte ganz fürchterlich ausgehen können auf einer Opernbühne des 21. Jahrhunderts, hätte im Kitsch ertrinken oder leidenschaftslos distanziert abgehakt werden können. Dass beides in Zürich nicht der Fall ist, ist sicherlich auch dem umsichtigen Regisseur Philippe Sireuil zu verdanken, sicherlich mehr noch der herausragenden Rollendebütantin: Vesselina Kasarova. Erstaunlicherweise hat Donizetti die Hauptrolle einem Mezzo anvertraut und die klassische Sopranpartie der Gesellschafterin Inès anvertraut.

Durch Vesselina Kasarova gewinnt „La Favorite" allerdings ungeheuer an dramatischer Dimension. So zurückhaltend, mitunter gar etwas ungeschickt sich die Sängerin auf der Bühne bewegte, so schillernd entpuppte sich die Vielfarbigkeit ihrer Stimme, so kraftvoll packend ihre dynamische Kraft und physische Präsenz.

In aller Regel übertrumpfte sie damit sogar den ebenfalls glanzvoll präsenten Fabio Sartori als ihren Liebhaber Fernand, obwohl der auch schauspielerisch überzeugte. Vor allem von diesen beiden Sängerdarstellern, ein wenig auch noch von Roberto Servile als König Alphonse, lebte diese Aufführung. ...

© Schaffhauser Nachrichten, 21. März 2006, Seite 13, Beat Glur

Hervorragende Darsteller

... Die Darsteller bleiben in dem offenen Raum sich selbst überlassen. Einzig Vesselina Kasarova in der Titelrolle gelingt ein eigenes Rollenprofil, und sie glänzt in der anspruchsvollen Partie mit ihrem enorm wandlungsfähigen Mezzosopran. ...

© Basler Zeitung, kultur magazin, 21. März 2006, Seite 7, Verena Naegele

... Trotzdem fehlen über weite Strecken die Kantilenen des Belcanto-Komponisten. Leidtragende ist vor allem die Titelfigur: Vesselina Kasarova. Wie haben wir sie schon bewundert für ihre ausgefeilte Technik, Farbenvielfalt und Verinnerlichung! Als Léonor ist sie zu oft mit «Oh mon Dieux»-Ausrufen beschäftigt, nur in einer Arie kann sie ihre Meisterschaft zeigen. ...

© Blick, 21. März 2006, Seite 19

... Mezzosopranistin Vesselina Kasarova ist als Léonor hinreissend. Äusserlich elegante Grande Dame, innerlich gespalten mit tiefen Empfindungen. All dies drückt sie gesanglich ergreifend aus, man glaubt ihr jeden Ton. ...

© Zürcher Oberländer, 21. März 2006, Seite 21, Sibylle Ehrismann

Kasarovas herrliche Stimme

... Doch natürlich lassen sich an diesem Abend auch herrliche Stimmen geniessen. Vesselina Kasarova wirkte anfangs zwar noch recht statisch, steigerte sich jedoch im zweiten Teil in ihren Arien, in welchen sie bei den Herren, und dabei vor allem beim ins Kloster zurückgekehrten Fernand, um Vergebung bettelt. Und sie stirbt sogar, um zu vermeiden, dass Fernand, der plötzlich wieder für sie aufflammt, einen Frevel gegen Gott begeht. Hier kann man Kasarovas herrlich kraftvolle und farbenreiche Stimme geniessen - aber nur, wenn man den Text nicht mitliest. ...

© Die Welt, 21. März 2006, Seite 29, Manuel Brug

... Dem antworten Vesselina Kasarova (Léonor) mit riojadunklem, doch agilem Mezzo und Fabio Sartori ...

© Opernglas, Mai 2006, Seite 15 - 16, Thomas Baltensweiler

... Das Hauptinteresse richtete sich auf Vesselina Kasarova in der Titelpartie, die sie bereits auf CD eingespielt, aber noch nie auf der Bühne verkörpert hatte. Die Léonor kommt für sie unüberhörbar zum richtigen Zeitpunkt. Die Mezzosopranistin wusste vokale Fülle und Flexibilität, Farbenreichtum und Ebenmass zu verbinden - ideal in einer Rolle, die sowohl Dramatik als auch die Beherrschung des Belcanto-Vokabulars verlangt. Die grosse Arie im dritten Akt wurde zum Höhepunkt des Abends - besonders die Cabaletta vermittelte packende Impulsivität, zumal Vesselina Kasarova mit genau dosierten und deshalb umso effektvolleren Spitzentöne auftrumpfte. ...