Claudio Monteverdi
IL RITORNO D'ULISSE IN PATRIA - Penelope
Zürich / Opernhaus / Februar 2002

© Opernglas, April 2002, Seite Seite 14 - 16, Stefan Mauss

... Das exzellente Sängerensemble bestand nahezu ausschliesslich aus Rollendebütanten, die zu einer geschlossenen Gesamtleistung fanden. Und doch kommt man schwer umhin, Vesselina Kasarovas Penelope stimmlich und darstellerisch als besonders gelungen zu bezeichnen. Schon im eröffnenden Lamento zog sie alle Blicke und Ohren auf sich. Faszinierend und absolut bruchlos liess sie ihre Stimme in allen Dynamikstufen changieren und bot eine durchdachte Textbehandlung, die ihresgleichen suchte. Und auch wenn die Kasarova nicht sang, war sie durch ihre Mimik und Gestik ständig Dreh- und Angelpunkt des Bühnengeschehens. ...

© Opernwelt, April 2002, Seite 18, Horst Koegler

... Hoch expressiv, aus dunkelstem Trauergrund aufsteigend singt Vesselina Kasarova die Penelope, eine in ihrem Gram wie versteinerte Figur, die sich erst peu à peu aus ihrer Erstarrung löst. ...

© Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Februar 2002, Seite 49, Eleonore Büning

...Irgendwann heute oder gestern, irgendwo mitten in der gleissenden griechischen Mittagssonne auf einem Dorfplatz vor ihrem weissgekalkten Häuschen steht unbeweglich die hohe Frau Penelope. Abgedunkelt und von Resignation verschattet klingt die mächtige Wunderstimme der Vesselina Kasarova. Sie kann flüstern, aber auch hell tönen wie eine Glocke, und sie kann in unendlich tiefe Register absteigen. So ruft sie als Denkmal ihrer selbst den dreifachen Lamentoruf ins Publikum, ganz nahe an die Rampe tretend: „de torna Ulisse". Gemach, Odysseus wird schon kommen. Ja, der Held kehrt zurück, er ist schon da. ...

© Die Welt, 27. Februar 2002, Seite 29, Stephan Hoffmann

... Man wird gegen Harnoncourts Remake nichts einwenden wollen: Er ist ein Dirigent der emotionalen Tiefe, er hat prachtvolle Musiker zur Verfügung, die Zürcher Oper wuchert auch hier wieder mit den sängerischen Pfunden, die ihr nun mal zu Gebote stehen: an der Spitze die Penelope von Vesselina Kasarova, deren wunderbar leuchtender Mezzosopran eine Klasse für sich ist. ...

© Der Tagesspiegel, 26. Februar 2002, Seite 25, Christine Lemke-Matwey

Jetzt klagt sie wieder, Penelope, die treueste der Treuen, um Odysseus, den herrlichen Helden und Mann, verschluckt von den Wirren des Trojanischen Krieges und von übellaunigen Göttern zu ewiger zielloser Irrfahrt verdammt. Jetzt tritt sie, die tieftraurige Königin, wieder vor ihr bleiches Haus, eine Nachtgestalt, ein Fragezeichen mitten im sonnenüberfluteten Arkadien, eine Frauenfigur wie sie, etliche Jahrhunderte später, auf Holzschnitten von Edvard Munch wieder auftauchen wird oder in den Theaterstücken eines Henrik Ibsen. Geradezu nordisch in ihrer grenzenlosen Trauer und Untröstlichkeit, dabei alabasternhaft schön und erschreckend heutig. Bei diesem Auftritt ist der Regisseur Klaus Michael Grüber in seiner Zürcher Inszenierung von Monteverdis "Ritorno d'Ulisse in patria" wieder ganz "Sprachfinder der Seele", ganz sein eigener Mythos.

Vesselina Kasarova gibt Monteverdis Penelope - eine der ersten tragischen Heroinen der Operngeschichte - als schwarze Meerjungfrau. Mit gesenktem Haupt und als verlangte ihr jeder weitere Atemzug ohne ihn schier übermenschliche, letzte Kräfte ab, gestattet sie sich nurmehr allerkleinste, exakt ausgezirkelte Gesten. Mal fasst der rechte Arm suchend ins Weite, mal tut dies der linke, mal greift sie sich sinnierend ans starke Kinn, mal wagt sie sich tatsächlich ein paar Schritte in den leeren Raum, mal finden sich beide Hände wieder suchend, tastend im Schoß: "Torna, deh torna Ulisse!" - "kehr heim, ach, kehr heim, Odysseus!"

Mitten ins Herz

In ihrem Ausgestelltsein, ihrer affektiven Überzeichnung entbehrt diese Körpersprache nicht eines gewissen Pathos, einer gleichsam versteinerten, erschöpften, erkalteten Hysterie. Dass dies nie peinlich wird oder auch nur leise aus dem Lot gerät, ist das Wunder dieses ästhetisch sonst eher zweifelhaften, ratlos stimmenden Abends (Bühnenbildner Gilles Aillaud stellt eine mit mediterranen Mosaiken besetzte Drehscheibe nebst vielen unsäglichen Prospekten und rumpelnden Bühnenwägen bereit) - und ist das große Verdienst einer ihre Rolle förmlich inhalierenden Sängerdarstellerin. Wie ein Kloß aus Tränen lässt Kasarova ihren überreichen Mezzo anfangs durch Kehle und Körper rinnen, eine erstickende, erstickte Stimme, gesättigt vom Leid der Welt, ein einziges Wunderwerk an dunklen und immer noch dunkleren, glimmenden, glühenden Farben - und ein Instrument, dem man seine urgesunde Belcanto-Schule anmerkt.

Kasarovas Virtuosität jedenfalls ist stupend, ihr Gespür für Monteverdis musikalischen Ausdruckswillen, seine Affekte und Rhetorik, seine kunstvollen, immer dramaturgisch motivierten Wechsel zwischen Rezitativen und ariosen Passagen scheint untrüglich. Das Frappierende daran: Hier werden keine historisch-aufführungspraktischen Kunststückchen abgeliefert oder neuartig textkritische Kopfstände gemacht, hier klingt vom ersten Lamento bis zum glückseligen Finale - in dem sie, die ihres Gatten Odysseus Rückkehr lange nicht fassen kann, zuerst singt und dann sich freut! - alles ganz natürlich, ganz selbstverständlich. Kasarova singt, als würde sie "bloß" sprechen, und zielt damit dem Musikdramatiker Monteverdi wie dessen Librettisten Giacomo Badoaro (respektive dem Dichter Homer!) mitten ins Herz: Der Gesang, die Musik lassen das Wort leuchten, der Gesang zeigt das Wort - und erweist sich somit im epischen Sinne als dessen treuester Freund. Brecht hätte daran seine Freude gehabt.

© Zürichsee-Zeitung, 26. Februar 2002, Seite 25, Werner Pfister

... Womöglich um noch einen Grad vollkommener agiert Vesselina Kasarova als Penelope. In jedem Zoll, in jeder Bewegung, im Profil wie frontal eine Griechin perfekten Zuschnitts. Für ihre immer fast endlosen Klagen, für ihr Martyrium, ihr Leid, ihren Zwiespalt hat sie eine Fülle an Tönen und Klängen, an stumm sich artikulierender Innerlichkeit, an Wärme und weichem Wohllaut zur Verfügung, dass man schlechthin nur von einer Idealbesetzung schreiben - und ebenfalls gratulieren kann.

© Tages-Anzeiger, 26. Februar 2002, Seite 53, Susanne Kübler

... Einzig Penelope, grossartig gesungen von Vesselina Kasarova, übersteht die ganz zerfaserte Inszenierung mit Würde. Sie braucht nichts und niemanden, um sich selber zu sein, ihre Klagen und ihr dunkler Mezzosopran verlieren nie an Tiefe und Ausstrahlung, sie ist sich ihrer Gesten in jedem Moment sicher. Was bei anderen gekünstelt wirkt, entwickelt bei ihr eine zwar künstliche, aber eigene, wirkungsvolle Direktheit. ...

© Neue Zürcher Zeitung, 26. Februar 2002, Seite 57, Peter Hagmann

... Klar ist die Lage auch für Penelope, da scheint Grüber gleich zu denken wie Luigi Malerba in seinem «König Ohneschuh». Vesselina Kasarova, die voll und ganz in ihrer Partie aufgeht, sie aus der Tiefe ihrer Stimme und aus ihrem Inneren heraus gestaltet - Vesselina Kasarova lässt keinen Zweifel daran, dass Penelope genau weiss, wer dieser Bettler ist. Zumindest hofft sie es so sehr, dass es wahr wird. Von da her erhält dieses Wiedersehen, das szenisch ebenfalls ganz unaufgeregt gezeigt wird, seine einzigartige Kraft. ...

© St. Galler Tagblatt, 26. Februar 2002, Seite 21, Reinmar Wagner

... Höhepunkt aber war die Penelope von Vesselina Kasarova. Hier gingen stilistische Feinheiten wie die Kunst der hingetupften Verzierung, eine überragende Gesangstechnik und die Ausdrucksfähigkeit einer intelligenten Sängerin die schönste Bindung ein.

© Neue Luzerner Zeitung, 26. Februar 2002, Seite 47, Urs Mattenberger

... Vesselina Kasarova bringt das Kunststück fertig, die Leidensgestalt der Penelope ganz ins Zentrum zu rücken, ohne dass ihr abgedunkelter Mezzosopran je nennenswert aus dem Pianoschatten rückt, der über der Figur liegt. ...

© Aargauer Zeitung, 26. Februar 2002, Seite 14, Tobias Gerosa

... Tief berührend, wie Vesselina Kasarova die Trauer Penelopes in feinste Töne zu kleiden vermag. Sie zeigt eine verzweifelte, ja resignierte Frau - dem allzu raschen Umschwung am Schluss ist kaum zu trauen. Verstärkt wird ihre Wirkung von der vorzüglichen Personenregie, welche die Spannung auch in langen statischen Szenen ohne äussere Handlung steigern kann. ...

© Der Landbote, 26. Februar 2002, Seite 17, Fritz Schaub

... Andererseits: welche Natürlichkeit und Schlichtheit auf der Ebene der Menschen! Wie Penelope (Vesselina Kasarova sehr ausdrucksintensiv und differenziert) in ihrem langen, schwarzen, eng anliegenden Gewand vor dem weiss getünchten, seitlich hineingeschobenen Haus ihr Lamento anhebt, sieht sie zwar aus wie eine antike Tragödin, könnte aber ebenso gut eine um ihren Mann trauernde Witwe in einem mediterranen Land von heute sein. ...

© zuerichexpress, 26. Februar 2002, Seite 19, Hans Uli von Erlach

... Voller klingt es heute, plastisch, beinahe romantisch zuweilen. So, wie sich auch die zahlreichen Gesangssolisten pointiertes Singen zutrauen. Charaktervoll unterscheidend zeichnen sie die klassischen Figuren des Homer. ... Und dann wieder mit verinnerlichtem, wunderbar genau geführtem Gesang (Vesselina Kasarova). ...

© Berner Zeitung, 26. Februar 2002, Seite 23, Norbert Graf

... Dabei kann das Zürcher Haus mit einem Ensemble auftreten, das durchgängig auf musikalisch und darstellerisch höchst überzeugende Art die Vielschichtigkeit der einzelnen Charaktere offen legt. Rund zwanzig verschiedene Figuren gruppieren sich um die zentralen Gestalten des Odysseus (Dietrich Henschel) und dessen Gattin Penelope (Vesselina Kasarova). Damit sind die heimlichen Stars des Abends zwar genannt, doch drängen sich diese nicht vor den herrschenden Ensemblegeist. ...

© Le Temps, 26. Februar 2002, Seite 36, Tristan Cerf

... Le choix des chanteurs est intelligent. La précision géniale de rigueur de Dietrich Henschel répond à celle de Vesselina Kasarova, qui donne à Pénélope le plus fin de sa voix et le plus clair de son jeu. ...

© Blick, 26. Februar 2002, Seite 10, Roger Cahn

... Wunderschön die Frauenstimmen: Vesselina Kasarova lässt als traurige Penelope ihr tiefes Timbre in vollem Glanz erstrahlen, ...

© Opera, September 2002, Seite 1096, Horst Koegler

... The exemplary cast, headed by Vesselina Kasarova's deeply touching Penelope and Dietrich Henschel's resilient Ulisse, had - with hardly a failure among ist two dozen soloists - Jonas Kaufmann as an outstanding Telemaco and Rudolf Schasching as an Iro of almost Shakesperian dimensions.